Donnerstag, 15. Juni 2017

Fronleichnam

Anders, als es der mittelalterliche Name vermuten lässt, geht es an diesem Tag um den lebendigen Leib Christi.
Am 60. Tag nach Ostern - am zweiten Donnerstag nach Pfingsten -  feiern die Katholiken Fronleichnam, das "Fest des heiligsten Leibes und Blutes Christi". Doch wissen immer weniger Menschen – seien sie nun getauft oder nicht –, was da eigentlich gefeiert wird. Schlimmer noch: Wenn sie davon hören, dass Brot und Wein zu Leib und Blut Christi werden, dann winken viele ab und bezeichnen es womöglich als "Hokuspokus". Was also hat es damit auf sich, wenn die Christen die wahrhafte Gegenwart des Gottessohns in der heiligen Eucharistie feiern?


Als Brot des Lebens, als gewandelte Hostie steht Christus selbst im Mittelpunkt der prunkvollen Fronleichnamsprozessionen. Dafür steht auch der ungewöhnliche Name Fronleichnams, denn im Althochdeutschen steht "fron" für "Herr" und "lichnam" für "Leib". Eine wichtige Rolle spielt dabei die Hostie: auf den ersten Blick nur eine kleine unscheinbare Oblate - doch für gläubige Katholiken wird sie durch die Wandlung im Gottesdienst zum "Leib Christi".
Das geht zurück auf das letzte Abendmahl, als Jesus den Aposteln Brot austeilte mit den Worten "Das ist mein Leib". Dieses Geheimnis des "heiligen Brotes" steht auch im Mittelpunkt der feierlichen Fronleichnamsprozessionen, bei denen die Hostie in einer Monstranz durch die Straßen getragen wird.
Bevor die Hostie aber ihrer eigentlichen Bestimmung zukommt, wird sie ganz normal gebacken - einfach mit Mehl und Wasser. Zum Beispiel beliefert die Benediktinerinnenabtei St. Gertrud im Kloster Alexanderdorf bei Berlin Gemeinden in ganz Deutschland. 


Die Entstehung des Fronleichnamsfestes ist recht genau datiert: Der Überlieferung nach hatte eine junge Augustinernonne namens Juliana von Lüttich im Jahr 1209 eine Vision. Der Mond hatte einen Fleck, und dieser Fleck, so soll es Christus ihr erklärt haben, sei das im Kirchenkalender noch fehlende Fest zur Verehrung des Altarsakraments. Schon 1246 wurde das Fest Fronleichnam in Lüttich zum ersten Mal gefeiert. Ein Jahr nach dem eucharistischen Blutwunder von Bolsena (Mittelitalien) erklärte Papst Urban IV. Fronleichnam am 11. August 1264 zum offiziellen kirchlichen Hochfest des Leibes und Blutes Christi. Zuvor war Urban Erzdiakon in Lüttich.
In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts kam es auch in Deutschland zu den ersten Fronleichnamsprozessionen. Im Mittelalter hat sich der Brauch vielerorts weit verbreitet.



Als kleines Mädchen fand ich die Prozessionen  aufregend. Da habe ich die kleinen Mädchen in ihren weißen Kleidchen, geschmückt mit Kränzchen und einem mit Blütenblättern gefüllten Körbchen sehr beneidet. Als Protestantin war mir ein solcher Pomp fremd. Da wusste ich auch nichts um die Bedeutung desTages. 
(Quelle u.a. Heiligenlexikon)

Kommentare :

  1. Liebe Irmi,

    was für ein wunderbarer Post zum heutigen Feiertag. In unserer Gegend wird er nicht so gefeiert. Wir sind eine evangelische Gegend hier. Aber ich bin katholisch und kenne es sehr wohl.
    Die Prozessionen sind immer so feierlich und sehr schön.

    Ich danke dir sehr, für deine lieben Genesungswünschen. Es ist schön, wenn man weiß das man nicht vergessen wird.

    Ganz liebe Grüße schickt dir
    Paula

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  2. Moin liebe Irmi,
    bei mir ist kein Feiertag, aber danke für die gute Erklärung.
    LG Helga

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  3. Echt was gelernt heute!
    Als Protestantin sehe ich in Brot und Wein das "Gedächtnismahl" an den Tod Jesu am Kreuz
    Herzlichst
    yase

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  4. Mir ist das auch recht fremd, liebe Irmi, aber spannend zu lesen war es allemal!
    glg Susanne

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  5. Hallo Irmi, auch bei uns in BW wird der Tag gefeiert, aber nicht von mir. Da ist viel Interpratation drin, was es so in der Bibel nicht gibt. Ich halte es mit yase, in Brot und Wein (in manchen Gemeinden ohne Wein) sehe auch ich ein "Gedächtnismahl" von Jesus auch so gesagt. Diesen Tag gestalten wir wie jeden anderen Tag auch. Hier in Ihringen, evangelischer Ort, wird feste geschafft, allerdings hinter verschlossenen Haustoren, denn am Freitag beginnen hier die Weintage, auch ohne mich.
    Liebe Grüße
    von Edith

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  6. ♥lichen Dank liebe Irmi für diesen wunderbaren Post!
    Einen schönen Tag wünscht Dir Crissi

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  7. Liebe Irmi,
    hier in Niedersachsen wird er so nicht gefeiert und ich kenne die Prozessionen auch nur seitdem wir hier in unserem kleinen Dorf leben, für mich damals echtes Neuland, als hier die ganze Straße geschmückt wurde und ich keine Ahnung hatte, um was es eigentlich geht.
    Seit der ganzen Gemeindezusammenlegung gibt es hier aber auch keine Prozession mehr. Ich weiß das viele ältere darüber sehr traurig sind, aber das hat wohl mit Kostengründen zu tun.
    Liebe Grüße sendet Dir Kirsi

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  8. Hallo liebe Irmi,
    hier bei uns im Norden wird er nicht gefeiert.
    Da ich evangelisch bin, bin ich da nicht so bewandert. Danke für diesen Post mit dem Einblick zum Frohnneichnahm.

    Einen schönen Tag wünsche ich Dir...
    Liebe Grüße
    Biggi

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  9. Hui, liebe Imri, diese Auffrischung ist (bei mir) wirklich mal notwendig gewesen. Vorallem die begriffliche Herleitung des Namens Fronleichnam aus dem Althochdeutschen ist mir wichtig. Habe wieder einmal Dank für dein unermüdliches Wirken.

    herzliche Grüße,
    egbert

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  10. Liebe Irmi! Auch mir - als Protestantin - war die Bedeutung des Tages nicht geläufig. - LG Martina

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  11. Servus Irmi,
    wieder sehr aufklärend! - In Bayern aber auch in Österreich (glaube ich) sagt man zur Fronleichnamsprozession auch "Pranger gehen".
    Einen schönen Feiertag,
    Luis

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  12. Liebe Irmi,
    wie das Wort Fronleichnam sich zusammen setzt wusste ich noch nicht. Danke für die Erklärung.
    Ich wünsche Dir noch einen schönen Donnerstag.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

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    1. Danke Irmi, als ich heute nachdachte wieso es diesen Feiertag gibt, fand ich keine Antwort, ich hatte dies vergessen. Eben habe ich mich gefreut, dass ich eine so ausführliche Erklärung auf deinem Blog vorfand. Schönen Tag noch und vielen Dank! Herzlichst Hanlo

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  13. Hey, bei uns wird das Fest heute auch gefeiert :).
    Liebe Grüße!

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  14. Hier im katholischen Bayern ist heute auch in jedem Ort was geboten! Ein sehr schöner Post - und die Fotos sind herrlich! :-)
    Lieben Gruß
    Gisi

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  15. Bei mir im hohen Norden gibt es kein Feiertag und die Erklärung war interessant!
    Schönen Feiertagresttag!
    Lieben Gruss Elke

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  16. dieser Feiertag ist wie du so schön erklärt hast, für mich ein wichtiger Feiertag- mit tiefem Hintergrund und Gläubigkeit ist es für mich eine Demonstration des Glaubens. Für viele wichtige Themen gehen wir auf die Straße, so soll es auch für den Glauben sein- Christsein ist für unsere Heimat ein fester Bestandteil und das wollen wir auch den anderen Gläubigen zeigen!!!
    Ich finde es gut das du über Fronleichnam geschrieben hast.
    Danke und Gruß zu dir
    heiDE

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  17. Liebe Irmi,
    es ist mir von allen chtristlichen Festen des Fernste. Danke für deine Worte. Hier werden in einigen Orten wundervolle Blütenteppiche gelegt.

    Liebe Grüße
    Nula

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  18. Liebe Irmi,
    ein wunderschöner Post; wir haben heute das Fest des heiligsten Leibes und Blutes Christi wunderschön gefeiert♥♥♥ Liebe Grüße Karina

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  19. Beautiful images to flowers, laid out well Irmi.

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  20. In meinem Kinderleben ein ganz wichtiger Tag, denn die Vaterfamilie war für das Schmücken einer großen Station an der Prozessionsstrecke verantwortlich. Da wurden aus Omas Garten alle Blumen geplündert, und der Vater hat wundervolle Teppiche mit Blütenblättern gelegt. Diese Prachtentfaltung und der Sinn fürs Schöne- das ist mir bis heute noch übrig geblieben. Den Rest haben mir all die nachfolgenden christlichen Erzieher gründlich ausgetrieben.
    LG
    Astrid

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  21. Hallo Irmi,
    da hast du dir ja wieder viel Mühe gemacht mit diesen Feiertag.
    Früher, als Berufstätiger war ich ja immer froh um diese Feiertage.
    Da ich aber ev. bin, tangiert dieser Tag mich weniger.
    Staune aber immer wieder darüber, wie viel Mühe sich die Gläubigen mit dem Blumenschmuck
    machen, obwohl mir auch irgendwie die Blumen leid tun. Klingt zwar albern, aber ich pflüge gewöhnlich bei mir im Garten auch keine Blumen, lasse sie lieber an Ort und Stelle.
    Da erfreuen sie mich genauso wie in der Wohnung oder im Haus.
    Nach meiner Meinung bzw. Beobachtung. ist dieser Brauch teilweise aber im Niedergang.
    Wünsche dir ein geruhsames verlängertes Wochenende.
    VG
    Oskar

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  22. liebe Irmi - was du als Protestantin uns katholiken alles noch beibringen kannst - ist schon sehr erstaunlich, deine Recherche für viele die - es einfach vergessen/oder gar verdrängt haben, sehr hilfreich...
    ich vermute in Richtung Bayern wird nach wie vor ausführlich das Fronleichnamsfest begangen und gefeiert indem die alten Traditionen noch bestehen und verehrt werden, hier ist davon wenig oder nicht davon zu spüren...
    die nächste kath.Kirche ist 60 kilometer weit weg und damit auch die Erinnerung an die festlichenm Umzüge die ich auch noch aus Franken kenne...
    herzlichen Dank...toller Post wieder...
    herzlich Angelface

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  23. Heute noch wird in der Stadt Hüfingen der Blumenteppich zum Fronchleichnamsfest gelegt. Im Link: https://www.huefingen.de ist die Geschichte der Blumenteppiche erwähnt.

    Dankeschön für den post Erinnerungen an meine Jugendzeit liebe Irmi -Gundy

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  24. Liebe Irmi,
    ich kannte die Bedeutung bisher nicht, habe aber genau gestern gegoogelt, was der Tag bedeutet. Wir wohnen jetzt in einer katholischen Gegend und die Feierlichkeiten waren bis in unseren Garten zu hören gewesen. In Franken wird es sehr groß gefeiert.
    LG Sigrun

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  25. Liebe Irmi,
    danke für diesen schönen Post - immer mehr Menschen kennen das Fest und wir in Süddeutschland freuen uns zumindest an dem freien Tag. Ich erinnere mich auch noch gut an einen Ausflug in meiner Kindheit, als wir im Schwarzwald zu einer dieser Prozessionen sind bzw. (Protestanten, die wir waren) die gestreuten Blumen bewundert haben.
    Liebe Grüße, Barbara

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  26. Liebe Irmi, danke für den ausführlichen Bericht. Ich bin Katholikin und habe als Kind mit der ganzen Schule an den Prozessionen teilgenommen. Da war ich immer hin und hergerissen. Einerseits mochte ich die festliche Stimmung und den opulenten Blumenschmuck, andererseits fand ich es ganz schrecklich, dass die Zuschauer uns so angestarrt haben.
    LG
    Magdalena

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  27. Liebe Irmi, danke für den ausführlichen Bericht. Ich bin Katholikin und habe als Kind mit der ganzen Schule an den Prozessionen teilgenommen. Da war ich immer hin und hergerissen. Einerseits mochte ich die festliche Stimmung und den opulenten Blumenschmuck, andererseits fand ich es ganz schrecklich, dass die Zuschauer uns so angestarrt haben.
    LG
    Magdalena

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Ich freue mich über jeden Kommentar und möchte mich auf diesem Weg recht herzlich dafür bedanken. Kommentare sind wie das Salz in der Suppe. Ohne fehlt sehr viel.