Montag, 19. Juni 2017

Dies und Das über den Pflegedienst

Die Krankenschwester mit der Eule als Haustier und der Laterne als Markenzeichen reformierte das Gesundheitswesen. Florence Nightingale.


Florence Nightingale hatte noch Glück. Sie heißt nach ihrem Geburtsort in Italien, wo die Eltern in Urlaub weilen: Florence nach Florenz, wo sie am 12. Mai 1820 zur Welt kommt. Ihre Schwester wird ein Jahr früher in einem von den alten Griechen gegründeten Vorort Neapels geboren und muss deshalb mit dem Namen Parthenope leben.
Man sieht: Die Nightingales sind bessere Leute, gebildet, reich genug zum Reisen. Die Mädchen erziehen sie zu Hause. Florence glaubt schon als Kind, von Gott berufen zu sein. Um ihren 17. Geburtstag herum weiß sie dann, wozu: Sie will Krankenschwester werden.
Für die Eltern ist es ein Schock: Hübsche, intelligente junge Damen aus gutem Hause werden am besten Ehefrau und Mutter – und nicht Pflegerinnen. Das ist ein Beruf für alte Frauen, die einem zeitgenössischen Klischee zufolge die Finger nicht vom Alkohol lassen können. Krankenhäuser sind damals schmutzig und gefährlich.
Die Eltern schicken Miss Nightingale mit Freunden der Familie auf Reisen durch Europa und nach Ägypten; sie hoffen, sie werde den Berufswunsch vergessen. Doch überall besichtigt Nightingale, neben den obligatorischen Ruinen, Krankenhäuser. Die Eltern haben ein Einsehen und erlauben ihr einen Besuch im Hospital von Pastor Theodor Fliedner und seiner Frau in Kaiserswerth am Rhein, heute ein Stadtteil Düsseldorfs.
Die junge Frau lernt Medikamentenkunde und Wundpflege, sieht Amputationen zu, kümmert sich um Sterbende. Sie ist glücklich: "Jetzt weiß ich, was es heißt, das Leben zu lieben", schreibt sie. In London verschafft Florences Mutter ihr eine gehobene Stelle in einem privaten Pflegeheim für vornehme Frauen. Ihr Vater gesteht ihr eine Leibrente zu, von der sie gut leben kann.
Im Sommer 1854 tritt Großbritannien an der Seite Frankreichs und der Türkei in den Krimkrieg gegen Russland ein, den ersten der brutalen, industriellen Kriege der Neuzeit. Bald landen Schiffe voller Verwundeter im britischen Hauptquartier in Scutari, dem heutigen Stadtteil Üsküdar von Istanbul. Als die Times schreibt, im Lazarett stürben mehr Soldaten vor Kälte, an Typhus, Cholera und Ruhr als durch feindliche Angriffe auf dem Schlachtfeld, ist die Öffentlichkeit empört. 

 Bildergebnis für Florence Nightingale - Kostenlose Fotos

Auf ihren Reisen hat Nightingale den Liberalen-Politiker Sidney Herbert kennengelernt, hat mit seiner Frau Elizabeth Krankenhäuser besichtigt. Jetzt ist Herbert Kriegsminister. Er schickt Nightingale und 38 von ihr angeleitete Frauen nach Scutari. Die Militärärzte nehmen die Frauen nicht eben begeistert auf, doch sie werden gebraucht: Nach schweren Kämpfen kommen immer mehr Verwundete an.
Im Lazarett fehlt es an allem, an Platz, Nahrung, Decken, Betten. Nightingale übernimmt die Organisation, teilt Krankenschwestern und Soldatenfrauen zur Pflege ein, aber auch zum Waschen der Kleidung und des Bettzeugs, zum Toilettendienst. Sie bombardiert Kriegsminister Herbert mit Bitten um Nachschub, kauft von eigenem Geld und aus einem von der Times angeregten Fonds Waschbürsten und Eimer, Decken, Bettpfannen, sogar Operationstische.
Dann erkrankt Nightingale selbst: Im Frühling 1855 stirbt sie fast am "Krim-Fieber", einer Bakterieninfektion . Sie erholt sich nie ganz, doch sie bleibt bis Kriegsende in Scutari, arbeitet weiter. Die Soldaten verehren sie – und das macht Nightingale daheim in Großbritannien berühmt. Zudem tragen clevere Geschäftsleute zur Bekanntheit der Krankenschwester bei: Mehr oder weniger erkennbare Florence-Bilder zieren Papiertüten und Souvenirs, sogar Tonfigürchen werden verkauft. 

Unter dem falschen Namen "Miss Smith" reist die Krankenschwester bei Kriegsende nach Hause, um den Reportern zu entgehen. Sie ist mager, kränklich, erschöpft. Selten tritt sie öffentlich auf, aber sie nutzt ihre Berühmtheit, um Lobbyarbeit für Gesundheitsreformen zu betreiben. Bei einer Audienz mit Queen Victoria erreicht sie die Einsetzung einer königlichen Kommission, die Mängel im Gesundheitswesen benennen und beheben soll, später folgt ein ähnliches Gremium für Indien.
Nightingales Ansatz ist ganzheitliche Medizin avant la lettre: Sie bezieht die Lebensumstände der Menschen, ihre Ernährung und Wohnverhältnisse ebenso ein wie ihren psychischen und physischen Zustand. Vor allem betont sie die Bedeutung von Hygiene und Desinfektion. Und sie denkt darüber nach, wie Krankenhäuser gebaut sein müssen, um sie effektiv und hygienisch führen zu können.
Nightingale legt die Grundlagen einer professionellen Krankenpflege in Theorie und Praxis: Mit Geld, das während des Krimkrieges in ihrem Namen eingesammelt wurde, eröffnet sie 1860 eine Pflegeschule, die Nightingale School im St.-Thomas-Hospital, heute ein Teil des King’s College in London.
Immer wieder meldet sich Nightingales Krankheit. Sie fürchtet stets, der Tod sei nah, stachelt sich selbst und andere zu neuen Leistungen an. Sie veröffentlicht mehr als 200 Bücher und andere Schriften. Queen Victoria verleiht ihr 1883 das Royal Red Cross, und 1907 erhält Nightingale als erste Frau den Verdienstorden Order of Merit. Florence Nightingale stirbt am 13. August 1910 friedlich im Schlaf – mit immerhin 90 Jahren. 
(Quelle: Buch: Florence Nightingale von ihr selbst)

Ich freue mich sehr, dass

Edith

an den Neckarstrand gefunden hat. Herzlich Willkommen und fühl dich wohl hier.

Kommentare :

  1. Guten Morgen, meine liebste Irmi,
    danke, daß Du wieder an eine große Frau und ihr Werk erinnert hast!
    Komm gut durch die heiß werdende Woche ( ich darf gar nicht dran denken ....)
    ♥ Allerliebste Grüße und eine liebe Umärmelung, Deine Claudia ♥

    AntwortenLöschen
  2. Guten Morgen Irmi,
    die Lebensgeschichte dieser mutigen Frau ist bewundernswert - dein Beitrag wieder ein interessanter "Pflichtunterricht"!!
    Einen fröhlichen Wochenverlauf,
    Luis

    AntwortenLöschen
  3. Moin liebe Irmi,
    ich habe diese Frau bewundert für ihr Durchsetzungsvermögen. Wo würden die vielen Pflegebedürftigen bleiben, gäbe es so etwas nicht.
    LG Helga

    AntwortenLöschen
  4. Es gab also immer schön Eltern, die ihren Kindern seltsame Vornamen gaben. Auch das ist irgendwie beruhigend.....
    Danke für das Portrait von Florence Nightingale! Faszinierend
    Herzlichst
    yase

    AntwortenLöschen
  5. habe gerade ein Buch über diese Frau gelesen Irmi..
    Hut ab mehr braucht man nicht sagen
    mit einem LG zum Wochenstart vom katerchen

    AntwortenLöschen
  6. Guten Morgen Irmi, es ist schön über Menschen zu lesen, die so viel Gutes für andere tun...vermutlich gibt es mehr davon als wir ahnen, nur agieren sie meistens still und unauffällig.
    Danke für das interessante Porträt. Liebe Grüße Hanlo

    AntwortenLöschen
  7. Eine bemerkenswerte Frau die es verdient hat immer wieder geehrt zu werden. Sie hat schon in damaliger Zeit gezeigt wie sich eine Frau doch auch durchsetzen kann und welche Dinge es zu bewirken gilt.

    Auch ich danke dir für den schönen Post.

    Wünsche dir einen tollen Wochenstart und sende herzliche Grüsse

    N☼va

    AntwortenLöschen
  8. Liebe Irmi
    das ist eine tolle Frau gewesen was sie aus ihrem Herz raus gemacht hat grossartig!
    Interessant dein Posting heute wieder!
    Schönen Wochenstart wünsche ich dir!
    Lieben Gruss Elke

    AntwortenLöschen
  9. Liebe Irmi
    Eine grossartige und unvergessene Frau. Wahnsinn was sie geleistet hat. Vielen Dank für deinen tollen Post.
    Wünsche dir einen guten Wochenanfang.
    Liebe Grüsse
    Barbara

    AntwortenLöschen
  10. Ja, sie war eine mutige, innovative Frau die weit ihrer Zeit voraus war. Bravo, liebe Irmi! Ein interessanter Post zu. Auftakt der Woche. Dir wünsche ich angenehme Tage.

    Mit sonnigen Grüßen, Heidrun

    AntwortenLöschen
  11. Liebe Irmi, vielen Dank für diesen interessante Bericht

    lg und einen schönen Start in die Woche
    wünscht gabi

    AntwortenLöschen
  12. Es war schon immer so, gebraucht werden sie schon, nur bezahlen möchte man nicht viel für diesen harten Job, heute genauso wie damals. Diese Frau ist zu bewundern, mit welcher Energie und Leidenschaft sie sich für die Sache eingesetzt hat. Sie hätte ein besseres Leben haben können, wählte aber den Weg der Liebe und der Hingabe, das sind echte Vorbilder, sie gibt es heute auch noch, nur suchen muss man sie.
    Dir liebe Irmi,
    eine gute Woche und Dank für den aufklärenden Post
    lieber Gruß
    von Edith
    (P.S. Welche Edith ist denn gemeint?

    AntwortenLöschen
  13. Hallo Irmi,
    danke für deinen interessaanten Post.
    Leider gibt es immer noch zu wenig gutmütiger hilfreicher Menschen.
    Ein Knochenjob, der zudem noch viel zu schlecht gezahlt und gelobt wird.
    Florence hatte ein irres Durchsetzungsvermögen und für damalige Verhältnisse ...
    Liebe Grüße, Moni
    Hab lieben Dank für deine stets so netten Worte bei mir ;0)

    AntwortenLöschen
  14. Liebe Irmi,
    das ist ein sehr interessantes Thema- ich unterrichte auch ansatzweise das erste Lehrjahr der Pflege.
    Ich wünsche dir einen guten Start in die Woche! Liebe Grüße!

    AntwortenLöschen
  15. Zum Nachlesen muss ich noch einmal wiederkommen, liebe Irmi. Derzeit sind die Tage immer sehr lang, da bleibt für das Bloggen nicht die Zeit wie sonst. Aber sie wird sich finden.

    Ich wünsch dir eine gute Woche und dass du immer ein schattiges, kühles Plätzchen findest!

    Ein lieber Gruß am Montagabend,
    Andrea

    AntwortenLöschen
  16. Danke für dieses schöne Porträt! Ich erinnerte mich daran, von ihr auch vor 50 Jahren im Englischunterricht gehört zu haben, aber da ist viel vergessen.
    Ich wünsche dir, dass es nachts abkühlt. Das ist ja in der Großstadt weniger der Fall, aber bei euch im Juni eher...
    LG
    Astrid

    AntwortenLöschen
  17. Schon wieder so ein rührendes Frauenschicksal. Ich habe noch nie von ihr gehört, danke Irmi. Immerhin hat sie so vieles erreicht und ist doch 90 Jahre geworden. Respekt! Solch aufopferungsvolle Menschen verdienen unsere Achtung.
    Liebe Abendgrüße von Kerstin.

    AntwortenLöschen
  18. Was wäre unsere heute so moderne Welt ohne die Leistungen dieser einzigartig zu ihre Zeit handelnden Frauen. Respekt! Ganz einfach Respekt!

    egbert

    AntwortenLöschen
  19. Ihr lieben Blogfreunde & Mitprojektler,

    leider schaffe ich es nicht rum zukommen und jedem Einzelnem
    individuell zu schreiben im Blog und bei Euch! Doch bin ich hier
    und schätze sehr was ich sehen darf!
    Gerne möchte ich Euch ein liebes Zeichen geben, Euch zeigen, dass
    ich hier war, gerne geschaut habe!
    Dankeschön für alles!
    Liebe Grüße
    schickt von Herzen Monika*

    AntwortenLöschen
  20. Großartige Frau , sie begeistert einfach :)
    LG heidi

    AntwortenLöschen

Ich freue mich über jeden Kommentar und möchte mich auf diesem Weg recht herzlich dafür bedanken. Kommentare sind wie das Salz in der Suppe. Ohne fehlt sehr viel.