Samstag, 25. März 2017

Dies und Das über Luthers wichtigsten Weggefährten

Wenn man über Luther spricht, darf man Philipp Melanchthon nicht vergessen. Luther und Melanchthon zwei Charaktere, die unterschiedlicher nicht sein konnten. Und vielleicht ergänzten sie sich daher so wunderbar. Denn wo Luther poltern konnte, schien Philipp Melanchthon mitunter blass zu wirken. Doch so leise und zuweilen stotternd der kleine Griechisch-Professor  auch redete, soviel Gewicht hatten seine Worte. Es wird ein langer Post. Eigentlich mag ich das nicht so gern. Aber man muss Melanchthon gerecht werden. Er war und ist der Lehrer Deutschlands. Vielleicht findet man am Wochenende Zeit, etwas mehr zu lesen. Es würde mich freuen.

Bildergebnis 
ein Gemälde von Lucas Cranach d.Ä. (1543)

Geboren: 16. Februar 1497, Bretten
Gestorben: 19. April 1560, Lutherstadt Wittenberg
Ausbildung: Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Eberhard Karls Universität Tübingen

Philipp Schwarzerdt (griechisch: Melanchthon) wurde als erstes von fünf Kindern geboren und zu Ehren des Landesherren Philipp genannt. Der Vater war Meister der Geschützgießerei sowie des Plattnerhandwerks - der Kunst, möglichst leichte, aber dennoch feste Rüstungen zu schmieden. Er wurde ins Amt des kurfürstlichen Rüstmeisters erhoben. Melanchthons Mutter stammte aus einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie. Ihr Vater sorgte für eine gründliche Ausbildung des Sohnes. Als Melanchthons Vater und Großvater starben, war für den Elfjährigen die Kindheit beendet.
Philipp besuchte die Lateinschulde in Pforzheim. Als Klassenbester bekam er die Möglichkeit, auch die griechische Sprache zu erlernen. 1509 verlieh ihm Johannes Reuchlin den Humanistennamen Melanchthon. Er soll gesagt haben: "Schwarzerdt heißt du, ein Grieche bist du, griechisch soll auch dein Name lauten". Schon mit zwölfeinhalb Jahren konnte Philipp die Universität Heidelberg besuchen. Er beendete sein Studium 1511, zum frühest möglichen Zeitpunkt. Als er1512 zum Magister promovieren wollte, verweigerten die Professoren dem schmächtigen Fünfzehnjährigen die Zulassung. 1514 legte er, nach Fortsetzung seines Studiums in Tübingen, an der philosophischen Fakultät seine Magisterprüfung ab. Dem folgte eine intensive Lehrtätigkeit an der Universität und die Abfassung erster bedeutender, humanistisch geprägter Schriften.
Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen suchte für den neu errichteten Lehrstuhl für griechische Literatur an seiner Wittenberger Universität einen Professor.  Melanchthon wurde von Reuchlin empfohlen. 1518 hielt Melanchthon seine begeisternde Antrittsrede  "Über die Umgestaltung des Jugendunterrichts". Neben seiner Lehrtätigkeit studierte er bei Martin Luther Theologie. 1519 erlangte er den ersten theologischen Grad eines Baccalaureus biblicus. Seine eigenen Vorlesungen wurden von den Studenten begeistert aufgenommen, auch von Luther, der Melanchthons griechische Vorlesungen besuchte. Die Freundschaft des 14 Jahre jüngeren Melanchthon mit Luther blieb bis zu dessen Tod erhalten.
Schon bei der ersten großen Auseinandersetzung zwischen Luther und der katholischen Kirche, der Leipziger Disputation im Jahre 1519, war Melanchthon zugegen. Er schrieb Luther, während dieses Streitgespräches mit Dr. Johannes Eck, einem scharfsinnigen päpstlichen Theologen, kleine Zettel mit Bibelstellen, die die Vorrangstellung des Papstes - der Streitpunkt des Gespräches - widerlegen. Zornig soll Eck ausgerufen haben: "Schweige Philipp, kümmere dich um deine Studien und störe mich nicht". Luther bekannte: "Dieser kleine  Grieche übertrifft mich auch in der Theologie". Eck wurde so in die Ecke getrieben, dass das Gespräch ohne Entscheidung endete. Luther lobte Melanchthon: "In meinem ganzen Lehramt achte ich nichts höher als den Rat Philipps". Luther  wollte ihm sogar die Leitung der Reformation übertragen, sollte er von dem Reichstag in Worms, der ja mit seiner Ächtung  endete, nicht lebend zurückkehren.
Weil man Melanchthon in Wittenberg festhalten wollte, riet man ihm, sich zu vermählen. Er lehnte zunächst ab, aber schon im November 1520 heiratete er Katharina, die Tochter des Wittenberger Bürgermeisters Hieronymus Krapp. Luther hatte Melanchthon von der Sache der Reformation schnell überzeugen können. Schon früh war aus der gemeinsamen Arbeit an der Universität eine innige Freundschaft geworden. "Ich würde lieber sterben, als von diesem Mann getrennt zu werden", sagte Melanchthon . Luther arbeitete unermüdlich an der neuen Theologie - nur fehlte ihm dabei oft die Systematik. Diese Aufgabe übernahm Melanchthon. Er schrieb 1521 die erste gültige Zusammenfassung der reformatorischen Lehre, die "Loci Communes". Luther war so begeistert von diesem Buch, dass er es gar in die Bibel aufnehmen wollte.
Melanchthon motivierte Luther, die Bibel in ein für das Volk verständliches Deutsch zu übersetzen. Luther begann damit 1521/1522 auf der Wartburg und hat an dieser Übersetzung  nach seiner Rückkehr nach Wittenberg im Frühjahr 1522 mit Melanchthon in vielen Stunden mühsamer Arbeit gefeilt. Während Luther aus Sicherheitsgründen auf der Wartburg versteckt wurde, übernahm Melanchthon  an der Universität Luthers Vorlesungen über biblische Schriften.
Melanchthon war an zahlreichen Visitationen beteiligt bei den Gemeinden, die sich jetzt der Reformation angeschlossen hatten. Ergebnis dieser Reisen war  auch die Sorge um die kümmerliche Pädagogik jener Zeit. Melanchthon schrieb deshalb zahlreiche Lehrbücher und entwickelte Konzeptionen für Neugründungen von Schulen und Universitäten. Als erste der neuen Lateinschulen eröffnete er 1526 die in Nürnberg. Diese Schulen sind die Vorläufer der heutigen Gymnasien, das humanistische Bildungskonzept prägte für Jahrhunderte das deutsche Bildungswesen.
Auf dem Reichstag in Augsburg im Jahre 1530 vertrat Melanchthon die Sache der Reformation, da Luther wegen des über ihn verhängten Banns Kursachsen nicht verlassen kann. Die Schwierigkeiten der Verhandlungen mit der katholischen Seite bewältigte Melanchthon meisterhaft. Er zeigt sich kompromissbereit, was ihm die Kritik einiger Zeitgenossen einbrachte. Luther war jedoch mit den Ergebnissen zufrieden. Melanchthon verfasste anhand verschiedener vorbereiteter Schriften und der Verhandlungen in Augsburg das erste große Bekenntnis der Reformation. Nach dem Ort der Übergabe an den Kaiser  -Augsburg-  wird diese Schrift  "Augsburger Bekenntnis", "Confessio Augustana", genannt. Noch heute werden evangelische Pfarrer u.a. auf dieses Bekenntnis ordiniert.
Gestützt auf seine Vorlesungen zu ethischen und politischen Schriften des Aristoteles und Ciceros publizierte Melanchthon ab 1538 sein eigenes System der Ethik bzw. seit 1550 dessen verbesserte Fassung. 1540 veröffentlichte er den ersten Teil seiner Lehre vom Menschen unter dem Titel   "Die anima" , die endgültige Fassung erschien 1553. 1549 wurde sein physikalisches Werk publiziert, in dem er sich auch zu dem gerade veröffentlichten kopernikanischen Weltbild äußerte. Neben der Vielzahl seiner Werke kommentierte er auch neutestamentische Schriften: 1527 publizierte er seinen Kommentar  zum Kolosserbrief sowie 1529 bis 1556 den zum Römerbrief.  1523/24 bzw. 1538 bekleidete er das Amt des Rektors der Universität und 1535/36 bzw. 1546 bis 1548 das Amt des Dekans der philosophischen Fakultät. Seit 1555 hielt Melanchthon in Wittenberg Lesungen über die Weltgeschichte; das dazu entstandene Werk veröffentlichte er aber unter dem Namen des Berliner Hofastrologen Johann Carion.
Nach dem Tod Luthers wurde Melanchthon zum Wortführer der Reformation: "Nachdem Luther aus diesem sterblichen Leben abgerufen ist, habe ich außer dem Schmerz noch mehr Sorgen und Arbeiten". Zwar nicht unumstritten, war Melanchthon bis zu seinem Lebensende der herausragende Exponent der deutschen Reformation. Mitte August 1557 reiste Melanchthon auf Befehl des Kurfürsten August zum Wormser Religionsgespräch. Im Oktober erfuhr er vom Tod seiner Frau,
musste jedoch bis Mitte Dezember 1557 in Worms verharren. Mittlerweile war aus Melanchthon ein alter, kränkelnder und von vielen Seiten angefochtener Mann geworden. 1560 erkältete er sich und erkrankte am bösartigen Wechselfieber. Am 11. April hielt er im großen Hörsaal des Augustinerklosters in Wittenberg seine letzte öffentliche Ansprache. Acht Tage später danach verstarb der nunmehr 63-jährige, der nie Angst vor dem Tode gehabt hatte. Sein Wahlspruch war:
"Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein". (Römer 8,31)
Wegen seiner großen Verdienste im Bildungswesen galt Melanchthon schon zu Lebzeiten als  "Praeceptor Germaniae", "Lehrer Deutschlands". Sein Grabmal ist in der Wittenberger Schlosskirche.
(Quelle: u.a.Heiligenlexikon)

Philipp Melanchthon

Gedenktag evangelisch: 19. April (EKD)
                                            16. Februar (LCMS)
                                            25. Juni (ELCA)
Name bedeutet: der Pferdefreund (griech.)
Professor, Reformator
* 16. Februar 1497 in Bretten in Baden-Württemberg
† 19. April 1560 in Wittenberg in Thüringen






Philipp Schwarzerdt (griechisch: Melanchthon) wurde als erstes von fünf Kindern geboren und zu Ehren des Landesherren Philipp genannt. Der Vater war Meister der Geschützgießerei sowie des Plattnerhandwerks - der Kunst, möglichst leichte, aber dennoch feste Rüstungen zu schmieden; er wurde ins Amt des kurfürstlichen Rüstmeisters erhoben. Melanchthons Mutter stammte aus einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie, ihr Vater sorgte für eine gründliche Ausbildung des Sohnes. Als Melanchthons Vater sowie sein Großvater starben, war für den Elfjährigen die Kindheit beendet.
Philipp besuchte die Lateinschule in Pforzheim; als Klassenbester bekam er die Möglichkeit, auch die griechische Sprache zu erlernen. 1509 verlieh ihm Johannes Reuchlin den Humanistennamen Melanchthon; er soll gesagt haben: Schwarzerdt heißt du, ein Grieche bist du, griechisch soll auch dein Name lauten. Schon mit zwölfeinhalb Jahren konnte Philipp die Universität Heidelberg besuchen, er beendete sein Studium 1511, zum frühest möglichen Zeitpunkt. Als er 1512 zum Magister promovieren wollte, verweigerten die Professoren dem schmächtigen Fünfzehnjährigen die Zulassung, 1514 legte er, nach Fortsetzung seines Studiums in Tübingen, an der philosophischen Fakultät seine Magisterprüfung ab. Dem folgte eine intensive Lehrtätigkeit an der Universität und die Abfassung erster bedeutender, humanistisch geprägter Schriften.






Die Burse, das um 1480 errichtete Gebäude der Universität Tübingen, heute mit Gedenktafel für Philipp Melanchthon
Die Burse, das um 1480 errichtete Gebäude der Universität Tübingen, heute mit Gedenktafel für Philipp Melanchthon
Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen suchte für den neu errichteten Lehrstuhl für griechische Literatur an seiner Wittenberger Universität einen Professor, Melanchthon wurde von Reuchlin empfohlen. 1518 hielt Melanchthon seine begeisternde Antrittsrede Über die Umgestaltung des Jugendunterrichts. Neben seiner Lehrtätigkeit studierte er bei Martin Luther Theologie, 1519 erlangte er den ersten theologischen Grad eines Baccalaureus biblicus. Seine eigenen Vorlesungen wurden von den Studenten begeistert aufgenommen, auch von Luther, der Melanchthons griechische Vorlesungen besuchte. Die Freundschaft des 14 Jahre jüngeren Melanchthons mit Luther blieb bis zu dessen Tod erhalten.
Schon bei der ersten großen Auseinandersetzung zwischen Luther und der katholischen Kirche, der Leipziger Disputation im Jahre 1519, war Melanchthon zugegen. Er schrieb Luther während dieses Streitgespräches mit Dr. Johannes Eck, einem scharfsinnigen päpstlichen Theologen, kleine Zettel mit Bibelstellen, die die Vorrangstellung des Papstes - der Streitpunkt des Gespräches - widerlegen. Zornig soll Eck ausgerufen haben: Schweige Philipp, kümmere dich um deine Studien und störe mich nicht. Luther bekannte: Dieser kleine Grieche übertrifft mich auch in der Theologie. Eck wurde so in die Enge getrieben, dass das Gespräch ohne Entscheidung endete. Luther lobte Melanchthon: In meinem ganzen Lehramt achte ich nichts höher als den Rat Philipps. Luther wollte ihm sogar die Leitung der Reformation übertragen, sollte er von dem Reichstag in Worms, der ja mit seiner Ächtung endete, nicht lebend zurückkehren.






Lukas Cranach der Ältere; Portrait, 1543, in der Galleria degli Uffizi in Florenz
Lukas Cranach der Ältere: Portrait, 1543, in der Galleria degli Uffizi in Florenz
Weil man Melanchthon in Wittenberg festhalten wollte, riet man ihm, sich zu vermählen. Er lehnte zunächst ab, aber schon im November 1520 heiratete er Katharina, die Tochter des Wittenberger Bürgermeisters Hieronymus Krapp. Luther hatte Melanchthon von der Sache der Reformation schnell überzeugen können, schon früh war aus der gemeinsamen Arbeit an der Universität eine innige Freundschaft geworden. Ich würde lieber sterben als von diesem Manne getrennt zu sein, sagte Melanchthon. Luther arbeitete unermüdlich an der neuen Theologie - nur fehlte ihm dabei oft die Systematik. Diese Aufgabe übernahm Melanchthon: er schrieb 1521 die erste gültige Zusammenfassung der reformatorischen Lehre, die Loci Communes. Luther war so begeistert von diesem Buch, dass er es gar in die Bibel aufnehmen mochte.
Melanchthon motivierte Luther, die Bibel in ein für das Volk verständliches Deutsch zu übersetzen. Luther begann damit 1521/22 auf der Wartburg und hat an dieser Übersetzung nach seiner Rückkehr nach Wittenberg im Frühjahr 1522 mit Melanchthon in vielen Stunden mühsamer Arbeit gefeilt. Während Luther aus Sicherheitsgründen auf der Wartburg versteckt wurde, übernahm Melanchthon an der Universität Luthers Vorlesungen über biblische Schriften.
Melanchthon war an zahlreichen Visitationen beteiligt bei den Gemeinden, die sich jetzt der Reformation angeschlossen hatten; Ergebnis dieser Reisen war auch die Sorge um die kümmerliche Pädagogik jener Zeit. Melanchthon schrieb deshalb zahlreiche Lehrbücher und entwickelte Konzeptionen für Neugründungen von Schulen und Universitäten. Als erste der neuen Lateinschulen eröffnete er 1526 die in Nürnberg; diese Schulen sind die Vorläufer der heutigen Gymnasien, das humanistische Bildungskonzept prägte für Jahrhunderte das deutsche Bildungswesen.
Auf dem Reichstag in Augsburg im Jahre 1530 vertrat Melanchthon die Sache der Reformation, da Luther wegen des über ihn verhängten Banns Kursachsen nicht verlassen kann. Die Schwierigkeiten der Verhandlungen mit der katholischen Seite bewältigte Melanchthon meisterhaft. Er zeigte sich kompromissbereit, was ihm die Kritik einiger seiner Zeitgenossen einbrachte; Luther war jedoch mit den Ergebnissen zufrieden. Melanchthon verfasste anhand verschiedener vorbereiteter Schriften und der Verhandlungen in Augsburg das erste große Bekenntnis der Reformation. Nach dem Ort der Übergabe an den Kaiser - Augsburg - wird diese Schrift Augsburger Bekenntnis, Confessio Augustana, genannt. Noch heute werden evangelische Pfarrer u. a. auf dieses Bekenntnis ordiniert.
Gestützt auf seine Vorlesungen zu ethischen und politischen Schriften des Aristoteles und Ciceros publizierte Melanchthon ab 1538 sein eigenes System der Ethik bzw. seit 1550 dessen verbesserte Fassung. 1540 veröffentlichte er den ersten Teil seiner Lehre vom Menschen unter dem Titel De anima, die endgültige Fassung erschien 1553, 1549 wurde sein physikalisches Werk publiziert, in dem er sich auch zu dem gerade veröffentlichten kopernikanischen Weltbild äußerte. Neben der Vielzahl seiner Werke kommentierte er auch neutestamentische Schriften: 1527 publizierte er seinen Kommentar zum Kolosserbrief sowie 1529 bis 1556 den zum Römerbrief. 1523/24 bzw. 1538 bekleidete er das Amt des Rektors der Universität und 1535/36 bzw. 1546 bis 1548 das Amt des Dekans der philosophischen Fakultät. Seit 1555 hielt Melanchthon in Wittenberg Lesungen über die Weltgeschichte; das dazu entstandene Werk veröffentlichte er aber unter dem Namen des Berliner Hofastrologen Johann Carion.






Nach dem Tod Luthers wurde Melanchthon zum Wortführer der Reformation: Nachdem Luther aus diesem sterblichen Leben abgerufen ist, habe ich außer dem Schmerz noch mehr Sorgen und Arbeiten. Zwar nicht unumstritten, war Melanchthon bis zu seinem Lebensende der herausragende Exponent der deutschen Reformation. Mitte August 1557 reiste Melanchthon auf Befehl des Kurfürsten August zum Wormser Religionsgespräch. Im Oktober erfuhr er vom Tode seiner Frau, musste jedoch bis Mitte Dezember 1557 in Worms verharren. Mittlerweile war aus Melanchthon ein alter, kränkelnder und von vielen Seiten angefochtener Mann geworden. 1560 erkältete er sich und erkrankte am bösartigen Wechselfieber; am 11. April hielt er im großen Hörsaal des Augustinerklosters in Wittenberg seine letzte öffentliche Ansprache, acht Tage danach verstarb der nunmehr 63-jährige, der nie Angst vor dem Tode gehabt hatte. Sein Wahlspruch war: Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein. (Römer 8, 31)
Wegen seiner großen Verdienste im Bildungswesen galt Melanchthon schon zu Lebzeiten als Praeceptor Germaniae, Lehrer Deutschlands. Sein Grabmal ist in der Wittenberger Schlosskirche.
  Drei wissenschaftliche Reden von Kurt-Victor Selge, Kirchengeschichtler, Reimer Hansen, Neuzeithistoriker, und Christof Gestrich, Systematischer Theologe, vorgetragen am Melanchthon-Dies der Theologischen Fakultät in der Humboldt-Universität zu Berlin am 23. April 1997, gibt es als pdf-Datei bei der Humboldt-Universität zu Berlin.
  Zum Melanchthon-Jahr 1997 erstellte die Kommunale Datenverarbeitungsgesellschaft der Lutherstadt Wittenberg eine nette Melanchthon-Seite.
Philipp Schwarzerdt (griechisch: Melanchthon) wurde als erstes von fünf Kindern geboren und zu Ehren des Landesherren Philipp genannt. Der Vater war Meister der Geschützgießerei sowie des Plattnerhandwerks - der Kunst, möglichst leichte, aber dennoch feste Rüstungen zu schmieden; er wurde ins Amt des kurfürstlichen Rüstmeisters erhoben. Melanchthons Mutter stammte aus einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie, ihr Vater sorgte für eine gründliche Ausbildung des Sohnes. Als Melanchthons Vater sowie sein Großvater starben, war für den Elfjährigen die Kindheit beendet.
Philipp besuchte die Lateinschule in Pforzheim; als Klassenbester bekam er die Möglichkeit, auch die griechische Sprache zu erlernen. 1509 verlieh ihm Johannes Reuchlin den Humanistennamen Melanchthon; er soll gesagt haben: Schwarzerdt heißt du, ein Grieche bist du, griechisch soll auch dein Name lauten. Schon mit zwölfeinhalb Jahren konnte Philipp die Universität Heidelberg besuchen, er beendete sein Studium 1511, zum frühest möglichen Zeitpunkt. Als er 1512

Donnerstag, 23. März 2017

Und noch einmal das Glück

Es gibt drei Symbole, die ganz besonders für Glück stehen.


Das Glück hat einen Ringelschwanz. Schon in der Antike war das Schwein eine Art Glücksbringer. Griechen und Römer  opferten Schweine den Göttern, um diese freundlich zu stimmen. Schweine galten als Zeichen für Reichtum und Wohlstand - in Notzeiten hatte man immer etwas zu essen Und dann gibt es noch die Redewendung  "Schwein gehabt". Sie soll auf einen Brauch zurückgehen: Bei Wettkämpfen bekam der Verlierer ein Schwein als Trostpreis, er hatte also Glück, ohne es verdient zu haben.



Das Glück kommt angeflogen. Der Legende nach gab es vor Hunderten Jahren eine schlimme Plage.
Ungeziefer machte sich über die Ernte her, den Menschen drohte großer Hunger. Da beteten die Menschen zur Heiligen Maria. Sie soll ihnen daraufhin einen Schwarm kleiner Käfer geschickt haben. Diese fraßen das Ungeziefer auf. Die Ernte war gerettet und die Menschen hatten etwas zu essen. Glück gehabt! Seither gelten Marienkäfer als Glücksbringer.





Das Glück ist schwer zu finden. Sie sind nicht nur extrem selten, sondern auch superschwer zu entdecken: vierblättrige Kleeblätter. Man muss also richtig Glück haben, um eines zu finden. Wohl deshalb gelten Kleeblätter schon ewig als Glücksbringer. Nach einer Legende  soll Eva ein vierblättriges Kleeblatt aus dem Paradies  mitgenommen haben.

Es gibt noch vielmehr Glücksbringer. Ich möchte es bei diesen bewenden lassen.





Mittwoch, 22. März 2017

Dies und Das über das Glück

Jeder wünscht es sich, doch die wenigsten behaupten es wirklich zu haben: Glück. Dabei ist es häufig nur eine Frage der Wahrnehmung.
Es gibt Anleitungen zum Glücklich sein, manche Menschen behaupten das Glück gepachtet zu haben, andere wünschen sie hätten es. Doch im Grunde muss zunächste eine Frage beantwortet werden, um dem Phänomen auf die Spur zu kommen: Was ist Glück?
"Das Glück ist im Grunde nichts anderes als der mutige Wille, zu leben, indem man die Bedingungen des Lebens annimmt.", definierte der französische Schriftsteller Maurice Barrès (1862 - 1923) einst den Begriff "Glück". Im Buthan wurde das Glück sogar zum wichtigsten Staatsziel ernannt. So sagte der König Buthans in den 70er Jahren: "Das Bruttonationalglück ist wichtiger, als das Bruttoinlandsprodukt."
Was ist Glück?
Das subjektiv beeinflussbare und wahrgenommene Glück in einer Definition als objetive Sache zu beschreiben ist schier unmöglich. Doch versuchten bereits in der Antike Menschen das "Glück" und seine Hintergründe zu erfassen.
So schrieb beispielsweise Aristoteles ein Buch, das sich mit der Glückseligkeit beschäftigt, die "Eudaimonia". In dieser schrieb er: Glückseligkeit ist "das vollkommene und selbstgenügsame Gut und das Endziel des (menschlichen) Handelns." Zuvor behauptete Platon, dass der Mensch nur glücklich sein kann, wenn die drei Teile der menschlichen Seele, Vernunft, Wille und Begehren im Gleichgewicht sind.
Glück ist nicht gleich Glück
Heute vertritt man im Allgemeinen die Ansicht, dass man selbst "seines Glückes Schmied" ist und das Glück das Zusammenspiel von bewusst getroffenen Entscheidungen und Zufällen ist.
In der heutigen Glücksforschung werden zwei Glücksarten unterschieden: das Lebensglück und das Zufallsglück.
Einfluss auf das Lebensglück haben Faktoren wie Familie, Liebe, Beruf, Finanzen und Freizeit. Aspekte, die man teils selbst beeinflussen kann, und teils von der Gesellschaft abhängig sind.
Das Lebensglück kann aber auch eine Art des Wohlfühlens sein, das einem ein glückliches Gefühl gibt. Zum Beispiel wenn man sich wirklich Zuhause fühlt, einen tollen Freundeskreis hat oder mit seiner Familie sorgenfrei lebt.
Ein anderer Ansatz: Persönlichkeitspsychologische Glückskonzepte beschreiben das Lebensglück als "harmonischen Zusammenwirken aller Gefühle einer gut organisierten Persönlichkeit". Sodass auch wenn sich Lebensumstände (Familie, Arbeit etc.) wandeln, das persönliche Lebensglück relativ unverändert bleibt. Lebensglück wird hier folglich als stabile Persönlichkeitseigenschaft gesehen.
Das Zufallsglück lässt sich, wie der Name schon sagt, nicht beeinflussen. Das Zufallsglück ist das ganze Leben lang von Bedeutung und kommt plötzlich und unerwartet. Heinrich Heine dichtete zum Zufallsglück folgende Zeile: "Es küsst dich rasch und flattert fort."
Im Allgemeinen beeinflussen Glücksfaktoren das persönliche Lebensglück. Drei dieser Faktoren sind:
Finanzen
Weltweit glauben Menschen, dass Sie glücklicher werden, wenn Ihr Einkommen steigt. Und es ist tatsächlich nicht abzustreiten, dass Geld einen Teil der Sorgen, die man im Alltag hat, in Luft auflösen kann. Die Miete kann abgebucht, die Versicherung bezahlt und der Kühlschrank gefüllt werden - folglich die Körper- und Sicherheitsbedürfnisse nach Maslow erfüllt werden. Doch was durch Geld unbefriedigt bleibt sind die sozialen Bedürfnisse. So sagt man im Volksmund: "Freunde kann man nicht kaufen." - und so macht Geld allein sicherlich nicht glücklich.
Arbeit
In der heutigen Arbeitswelt steigen die Anforderungen, gleichzeitig werden die Arbeitsbedingungen schlechter. Arbeit bedeutet im allgemeinen Sicherheit. Doch wenn man in einem gewissen Maß auf Sicherheit verzichten kann, wird man bald merken, dass man Freiheit gewinnt. Sei   zudem ehrlich und teile  deine  Bedürfnisse der Umwelt mit.
Persönliche Freiheit
Die persönliche Freiheit wird durch gesellschaftliche Verpflichtungen stark beeinflusst, doch muss man sich davon nicht lenken lassen. Denn ob du mit 30 schon eine Familie gründen, mit 35 das erstes Haus bauen und mit 40 das zweites Auto kaufen  willst, entscheidest  nur du. Wenn du mit 45 dein Hobby zum Beruf machen willst, dann tue es. Wenn du mit 60 das Haus verkaufen möchtest, um mit einem Boot um die Welt zu segeln, dann kann dir das keiner verbieten. Nur du bestimmst dein Leben - doch allzuhäufig vergessen wir dies.
Weitere Glücksfaktoren können das soziale Umfeld, familiäre Bedingungen und Gesundheit sein.

Tipps zum Gücklichsein
  • Gib  dem Glück eine Chance: Wenn man eine offene und offensive Haltung gegenüber dem Leben einnimmt, stellen sich häufiger unerwartete Ereignisse ein, die dem Leben zum Positiven wenden kann.
  • Mach dich sich frei von gesellschaftlichen Normen: Wenn man Etwas nicht mehr will (den aktuellen Beruf ausüben, dem Hobby nachgehen etc.), dann muss man überlegen, wie man die Situation ändern kann und sollte es umsetzen.
  • Lerne über deine Missgeschicke oder dein Pech zu lachen, dann wirst du merken, dass du auch schwierige Situationen besser meistern kannst.
  • Suche  nicht nach der Liebe, wenn es an der Zeit ist wird sie bei dir anklopfen. Genieße  in der Zwischenzeit die Geborgenheit des Freundeskreises. Wer weiß, was man sonst alles verpasst.
(Quelle: Vortrag in der VHS )

Wenn es nur so einfach wäre, mit dem Glücklichsein. Jede/r muss herausfinden, was für ihn selbst am besten ist. Und vor allen Dingen, wie man selbst das Glück annimmt und definiert. Aber alles in allem war es ein interessanter Abend.





Ich darf auch von Glück sagen, dass

Nicole B.

an den Neckarstrand gefunden hat. Nimm Platz und fühl dich wohl hier.

Dienstag, 21. März 2017

Dies und Das über Begriffe, die verschwinden

Sprache dient der Beschreibung der Welt. Und da sie sich ständig ändert, sind auch die Wörter im Wandel. Neue Begriffe entstehen, andere verschwinden. Wenn sie aus dem täglichen Sprachgebrauch erst einmal herausfallen, verschwinden sie irgendwann ganz.

Das Buch der fast vergessenen Wörter - Cnyrim, Petra 

Petra Cnyrim hat ein Buch herausgebracht, das wirklich lesenswert ist. Sie möchte hierin an schöne alte Begriffe erinnern und sie vor dem Vergessen bewahren.

Gardinenpredigt
Schon das Wort Gardine für Vorhang ist nicht mehr ganz zeitgemäß. Wer keine Gardine hat, kann auch keinen Gardinenpredigt mehr halten. Abgeleitet ist das Wort von den Strafpredigten der Mönche und Priester im 14. Jahrhundert, die so den Menschen  das Schlechte der Welt und die Sündhaftigkeit vor Augen führen. Später wurde es übertragen auf Gattinnen, die hinter der Gardine auf den verspätet heimkehrenden, angetrunkenen Mann warteten, um ihm bei seiner Ankunft alle Verfehlungen vorzuhalten. Später übertrug man den Begriff auf alle Formen der Maßregelung.

Rotzlöffel
Einen frechen Jungen nennt Cnyrim Bengel. Das kann noch liebevoll gemeint sein - im Gegensatz zum Schimpfwort Rotzlöffel für einen unverschämten Jungen oder jungen Mann, der sich im übertragenen Sinn  noch nicht einmal selbst die Rotznase  abwischen kann.

blümerant
So wurde Damen im 19. Jahrhundert, wenn sie kurz vor der Ohnmacht standen. Das französische  "bleu mourant"    (blassblau) beschreibt die Gesichtsfarbe eines Menschen, dem die Luft wegbleibt. So übel ist uns heute nicht mehr, uns wird schlimmstenfalls flau im Magen.

Backfisch
Dieses Wort mag Petra Cnyrim besonders. So wurden früher junge Mädchen genannt. Dieser Begriff
stammt aus dem Englischen und bezeichnet junge Fische, die zu klein waren und deshalb zurück (back) ins Meer geworfen wurden. Als Umschreibung einer noch nicht erwachsenen Frau taucht Backfisch schon 1773 in Goethes "Götz von Berlichingen" auf.

Schäferstündchen
Die Umschreibung einer intimen Begegnung ist noch älter als der Backfisch. In der Schäferdichtung des 18. Jahrhunderts  träumten Adlige vom idyllischen Leben und der Liebe in freier Natur. So wurde der Begriff, der erstmals 1711 auftaucht, gleichzeitig Ausdruck einer paradiesischen Flucht aus dem Alltag.   

Schabernack
Die Bezeichnung eines übermütigen Streichs könnte nach einer Vermutung mit dem Schaben oder Scheren des Nackens zu tun haben, früher Strafe für einen Rechtsbruch. Insofern kann ein Schabernack weitreichende rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.                                                                                                                                                                                

Montag, 20. März 2017

Dies und Das über die Nachbarschaft

Jetzt fängt die Garten- und bald auch die Grillsaison an. Da steht manche gute Nachbarschaft auf dem Spiel. Eine gute Absprache hilft - aber nicht immer! Dabei ist es so wichtig, eine gute Nachbarschaft zu pflegen. Eine Einladung zum Grillabend wirkt oft Wunder.

Bildergebnis für gute nachbarn sprüche

Der Begriff der Nachbarschaft ist nicht genau definiert. Oft sind nur jene Personen gemeint, die in direkt angrenzenden Gebäuden oder Räumen leben. Gerade im ländlichen Raum zählen aber gern auch alle Menschen dazu, die in relativer Nähe wohnen - und manchmal auch der ganze Ort.
Ein gutes Verhältnis zu den Nachbarn ist bis heute wichtig. In früheren Zeiten war es geradezu elementar, vor allem auf dem Land. In Ermangelung staatlicher Strukturen bot nur die Nachbarschaft bzw. die Dorfgemeinschaft solche Dinge wie soziale Absicherung im Krisenfall, Kinder- oder Altenbetreuung. Was im Umkehrschluss bedeutete, dass ein schwieriges Verhältnis zu den Nachbarn ungleich härtere Folgen hatte als heute.
Inzwischen gibt es viele verschiedene Formen der Nachbarschaft: etwas die  "klassische"  zwischen Hausbesitzern, diejenige zwischen Mietparteien im selben Haus oder das Zusammenleben in Wohngemeinschaften. Moderne Formen der Nachbarschaft sind auch Mehrfamilien- oder Mehrgenerationenhäuser.
Aber gerade in den Hochhäusern ist es mit der Nachbarschaft nicht weit her.  Man kennt sich nicht und möchte auch unbehelligt bleiben. Aufgeschreckt wird man erst, wenn wieder eine Person tage- oder wochenlang tot in ihrer Wohnung lag.

Ich freue mich sehr, dass

Elke Schreeven

sich am Neckarstrand eingefunden hat. Nimm Platz und fühl dich wohl hier. Willkommen

Sonntag, 19. März 2017

Katharina von Bora - die Lutherin

Katharina von Bora war zu ihrer Zeit eine der bekanntesten Frauen. Sie war tatkräftig, ohne Furcht und hielt den großen Haushalt von Martin Luther mustergültig in Ordnung. Ich finde es richtig, sie hier zu würdigen.
Bild von Lucas Cranach dem älteren, 1528, in der Lutherhalle in Wittenberg 
Bild von 
Lukas Cranach dem älteren,
gemalt 1528

Geboren wurde Katharina am 29. Januar 1499 in Lippendorf in Sachsen. Gestorben ist sie am 20. Dezember 1552 in Torgau in Sachsen.

Katharina von Bora, Tochter aus verarmten Landadel, kam durch den frühen Tod der Mutter im Alter von sechs Jahren in eine Klosterschule, dann 1508 ins Zisterzienserinnenkloster Marienthron in Nimbschen bei Grimma, wo sie 1515 ihr Gelübde ablegte. Hier las Katharina mit ihren Ordensschwestern die ersten Schriften des Reformators Martin Luther, worauf bei ihr und anderen Nonnen der Gedanke zur Flucht reifte. In einem Versorgungswagen mit leeren Heringsfässern gelang die Flucht am Karsamstag 1523. Katharina konnte nicht nach Hause, weil dort auf die Rebellion und das Brechen des Gelübdes die Todesstrafe stand; sie zog mit neun ihrer Ordensschwestern nach Wittenberg, wo Luther sie alle aufnahm und in den Häusern seiner Freunde versorgte. Katharina im Haus von Lukas Cranach.
Martin Luther musste nun für die Nonnen sorgen und ihnen Ernährer, d.h. Ehemänner, vermitteln. Luther war recht erfolgreich, aber Katharina blieb übrig. Sie war zwar einem Theologiestudenten aus begütertem Nürnberger Patriziergeschlecht verlobt, doch als dessen Vater von der anstehenden Heirat mit einer entlaufenen Nonne erfuhr, rief er seinen Sohn nach Hause zurück. Als Luther darüber klagte, erwiderte Katharina ihm, dass sie - wenn überhaupt - sich nur vorstellen könne, seine Frau zu werden. Luther nahm den Vorschlag an - verblüfft, wie er später gestand. Die beiden heirateten am 13. Juni 1525, in dem Jahr, in dem der Bauernkrieg tobte. Luthers engster Vertrauter  Philipp Melanchton war entsetzt: wegen der als unschicklich empfundenen Zeit - immerhin wurden die Bauern zu Tausenden getötet, aber auch wegen der Wahl Luthers - Katharina war ihm zu stolz und eigensinnig. Die katholischen Gegner Luthers verfassten zotige Flugblätter über den Mönch und die "entlaufene" Nonne. Erasmus von Rotterdam dagegen lobte: "Luther fängt jetzt an, milder zu werden, und wütet nicht mehr so mit der Schreibfeder, nichts ist so wild, dass es nicht beim Weibchen zahm würde."
 Katharina brachte erst einmal Ordnung in Luthers Leben im ehemaligen Augustinerkloster. Luther gestand, dass er über ein Jahr lang seine Strohmatte im Schlafzimmer nicht mehr gewechselt und aufgeschüttelt hatte. Obwohl Luther ein gutes Einkommen als Theologieprofessor erhielt, hatte er nie Geld, denn täglich kamen Bettler und Hilfesuchende und er gab mit freien Händen. Oft musste Katharina die beiden Kelche, welche sie zur Hochzeit vom Kurfürsten geschenkt bekommen hatten, im Pfandhaus einlösen, um Bargeld zu haben.
Katharina übernahm das Regiment über Haus und Hof, Ställe und Zimmer, Bankkonten und Schuldentilgung. Sie ließ das Haus ausbessern und frisch anstreichen, machte aus dem Mönchsfriedhof im Kloster einen Kräutergarten, verwandelte das Erdgeschoss in einen Schweinestall, ließ das Backhaus herrichten. Sie drängte Luther dazu, den angrenzenden Garten mitsamt Bach und Fischteich zu kaufen. Der Teich wurde 1533 zum ersten Mal abgefischt. Luther
konnte zwischen mehreren Fischsorten wählen und war mit dem Kauf ausgesöhnt. Da auf dem alten Kloster ein Braurecht lag, begann Katharina Bier zu brauen. Luther liebte es als Nachttrunk so sehr, dass er - als er einmal monatelang in der Coburg weilte - schrieb,  sie möge ihm doch ein Fässchen davon zukommen lassen. Luther kaufte auf ihre Veranlassung weitere Gärten und Güter, auf denen sie Viehzucht und Obstanbau betrieb. 1544 auch einen Weinberg, schließlich einen Hopfengarten. Scherzhaft nannte er seine Frau ob ihrer Begabung zur Verwalterin  "Herr Käthe". Ohne Katharina von Bora wäre der Reformator wohl im Chaos des Alltags versunken und die lutherische Reformation nicht vorangekommen. Für manche Zeitgenossen war  Katharina die "Xanthippe der Reformation", für andere die Lichtgestalt im Hause Luthers, Vorbild für Generationen von evangelischen Pfarrfrauen.
Die Luthers bekamen sechs eigene Kinder. Dazu kamen elf, die sie aus der verarmten oder verwitweten Verwandtschaft aufnahmen, außerdem Knechte und Mägde, Gäste und Studenten - denn von einem Professor wurde damals erwartet, dass er eine eigene "Burse" hatte. Bald war jedes Zimmer im Kloster bewohnt, viele Menschen mussten versorgt und verköstigt werden, durchschnittlich 40 Personen saßen täglich am Tisch in Luthers Haus. Katharina organisierte alles und trieb auch das Geld ein. Dabei war sie unerbittlich und oft mehr als besorgt über die großzügige Freigebigkeit ihres Mannes, der nur zu leicht über die große Güte und Freigebigkeit des Himmels zu reden pflegte. Katharina  stellte ihn oft zur Rede, er machte dann in seinen Tischreden deftigste Anmerkungen zum Wesen der Frau: "So haben die Weiber noch eine schärfere Waffe als die Zunge, 
nämlich die Tränen. Was sie mit Reden nicht erreichen können, erlangen sie mit Weinen."
Von Katharina ist nur ein einziger  persönlicher Brief erhalten geblieben. Aber Luthers Briefe an sie sind erhalten und zeigen das Bild einer treusorgenden Mutter. Neben der Verwalterin wird eine Frau sichtbar, die sich ihrer Kinder annimmt, sich um Bildung und Ausbildung bis zum Studienplatz kümmert und mit viel Wärme die eigene Familie pflegt. Ein besonders schwer empfundener Schicksalsschlag war der Tod von Tochter Lenchen. Abends, wenn Luther am Schreibtisch  seiner unaufgeräumten Studierstube arbeitete, saß sie neben ihm, ihren Spinnstock in Bewegung, berichtete aus Familie und Stadt und besprach, was er schrieb.
1542, vier Jahre vor seinem Tod, schrieb Luther sein Testament;  eine Witwe konnte rechtlich nicht selbständig auftreten, deshalb bestimmte er Philipp Melanchthon und andere Freunde zum Vormund für Katharina und seine Kinder. Nach Luthers Tod erbte Katharina zwar das gemeinsame Vermögen, aber die Pest und der Schmalkaldische Krieg verwüsteten Wittenberg und ihre Besitztümer. Sie musste mehrmals Wittenberg verlassen um sich zu retten, und sie musste Schulden machen, um die Landwirtschaft wieder aufzubauen. Verwandte und Nachbarn erhoben Ansprüche - Katharina führte einige Prozesse, um ihren Besitz zu retten. Auf der Flucht vor Pest und Krieg reisten sie und ihre Kinder im Lande umher, immer weniger Freunde nahmen sie auf. Das Schwarze Kloster musste sie verkaufen. Geldgeschenke des Königs von Dänemark halfen beim Kampf  ums Überleben. Die Freunde Luthers ließen sie im Stich, andere verhöhnten sie bereits zu Lebzeiten. Doch sie kämpfte unverdrossen für ihr Recht und die Zukunft ihrer Kinder.
Auf einer erneuten Flucht vor der Pest fuhr Katharina 1552 nach Torgau. Als die Pferde scheuten, sprang sie, um ihre Kinder zu schützen, vom Wagen, stürzte in einen Wassergraben und zog sich eine Lähmung und eine Erkältung zu, von der sie sich nicht mehr erholte. So wurde sie in Torgau begraben - unter großer Anteilnahme der lutherischen Freunde, die in den letzten Jahren ihres Lebens nichts mehr von ihr hatten wissen wollen. Ihr Sterbehaus in Torgau ist heute Museum, ihr Grabstein ist in der Stadtkirche St. Marien erhalten.

Katharina übernahm das Regiment über Haus und Hof, Ställe und Zimmer, Bankkonten und Schuldentilgung. Sie ließ das Haus ausbessern und frisch anstreichen, machte aus dem Mönchsfriedhof im Kloster einen Kräutergarten, verwandelte das Erdgeschoss in einen Schweinestall, ließ das Backhaus herrichten. Sie drängte Luther dazu, den angrenzenden Garten mitsamt Bach und Fischteich zu kaufen. Der Teich wurde 1533 zum ersten Mal abgefischt, Luther konnte zwischen mehreren Fischsorten wählen und war nun mit dem Kauf ausgesöhnt. Da auf dem alten Kloster ein Braurecht lag, begann Katharina Bier zu brauen. Luther liebte es als Nachttrunk so sehr, dass er - als er einmal monatelang in der Coburg weilte - schrieb, sie möge ihm doch ein Fässchen davon zukommen lassen. Luther kaufte auf ihre Veranlassung weitere Gärten und Güter, auf denen sie Viehzucht und Obstanbau betrieb. 1544 auch einen Weinberg, schließlich einen Hopfengarten. Scherzhaft nannte er seine Frau ob ihrer Begabung zur Verwalterin Herr Käthe. Ohne Katharina von Bora wäre der Reformator wohl im Chaos des Alltags versunken und die lutherische Reformation nicht vorangekommen. Für manche Zeitgenossen war Katharina die Xanthippe der Reformation, für andere die Lichtgestalt im Hause Luthers, Vorbild für Generationen von evangelischen Pfarrfrauen.
Katharina übernahm das Regiment über Haus und Hof, Ställe und Zimmer, Bankkonten und Schuldentilgung. Sie ließ das Haus ausbessern und frisch anstreichen, machte aus dem Mönchsfriedhof im Kloster einen Kräutergarten, verwandelte das Erdgeschoss in einen Schweinestall, ließ das Backhaus herrichten. Sie drängte Luther dazu, den angrenzenden Garten mitsamt Bach und Fischteich zu kaufen. Der Teich wurde 1533 zum ersten Mal abgefischt, Luther konnte zwischen mehreren Fischsorten wählen und war nun mit dem Kauf ausgesöhnt. Da auf dem alten Kloster ein Braurecht lag, begann Katharina Bier zu brauen. Luther liebte es als Nachttrunk so sehr, dass er - als er einmal monatelang in der Coburg weilte - schrieb, sie möge ihm doch ein Fässchen davon zukommen lassen. Luther kaufte auf ihre Veranlassung weitere Gärten und Güter, auf denen sie Viehzucht und Obstanbau betrieb. 1544 auch einen Weinberg, schließlich einen Hopfengarten. Scherzhaft nannte er seine Frau ob ihrer Begabung zur Verwalterin Herr Käthe. Ohne Katharina von Bora wäre der Reformator wohl im Chaos des Alltags versunken und die lutherische Reformation nicht vorangekommen. Für manche Zeitgenossen war Katharina die Xanthippe der Reformation, für andere die Lichtgestalt im Hause Luthers, Vorbild für Generationen von evangelischen Pfarrfrauen.

Donnerstag, 16. März 2017

Dies und Das über den März

Als ich gestern im Kindergarten vorbeischaute um Malpapier und Buntstifte abzugeben, hörte ich aus einem der hinteren Räume Gesang. Die Kinder studierten ein altes Volkslied aus Mähren ein, das auch wir schon mit Leidenschaft gesungen haben:

Im Märzen der Bauer
die Rößlein einspannt
Er setzt seine Felder
und Wiesen in Stand.

Er pflüget den Boden
er egget und sät
und rührt seine Hände
früh morgens und spät.

Die Bäu´rin, die Mägde
sie dürfen nicht ruh´n
sie haben in Haus
und Garten zu tun.

Sie graben und rechen
und singen ein Lied
sie freu´n sich, wenn alles
schön grünet und blüht.

So geht unter Arbeit
das Frühjahr vorbei
Da erntet der Bauer
das duftende Heu

Er mäht das Getreide
dann drischt er es aus
Im Winter da gibt es
manch fröhlichen Schmaus

Text und Musik: aus Nordmähren , 19. Jahrhundert  –
 nach Walter Hensel. Ob der Text
im zugeordnet werden kann ist nicht ganz klar.



Ich habe eine Weile gelauscht und mich darüber gefreut, dass man dieses schöne Lied mit den Kleinen einübt und es nicht vergessen ist.